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Stephan Duffner - Tour d’Algerie PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Keller, Marcus   

Bei 35 Grad Lufttemperatur nutzte auch Duffner jede Schattengelegenheit.Stephan Duffner vom RC Villingen hat eine harte Vorbereitungszeit hinter sich gebracht, um den Aufgaben die sich ihm durch das Fahren für das Team Embrace the World Cycling stellen, gewachsen zu sein. Sein Wintertrainingsumfang hat sich deutlich erhöht. Immer wieder zog es ihn in den Raum Freiburg, um längere Trainingseinheiten absolvieren zu können. Aber auch längere Einheiten auf der Rolle gehörten zum Programm. Einige Rennen im Schmolke Carbon Cup und ein Rennwochenende in Belgien war seine Vorbereitung auf seinen ersten größeren Einsatz, der Tour d’Algerie. Bei allem in diesem Unterfangen erwartete ihn Neuland, dementsprechend gering war auch seine Erwartungshaltung. Einen Platz im Mittelfeld zu erreichen war sein angestrebtes Ziel und vom Rest sich überraschen lassen. So gute Straßen und die gewaltigen Zuschauermassen, jeden Tag über 100 000 hätte ich nicht erwartet, so Duffner. Für sein Team begann es gleich sehr negativ. Die beiden besten Fahrer des 6-köpfigen Teams fielen aus. Benjamin Stauder fiel kurzfristig durch Krankheit aus und der Ex-Profi der höchsten Kategorie, Dan Fromnam, hatte ein Visumsproblem und durfte nicht einreisen. So wurden die 7 Etappen über insgesamt 1100 Kilometer, mit 2 Flachetappen, 2 Bergetappen und drei 3 welligen Etappen von einem bereits im Vorfeld geschwächten Team in Angriff genommen. Schon die erste Etappe begann recht abenteuerlich. Die Fahrer und das komplette Equipment wurde über 2000 Kilometer mit einem Militärflugzeug transportiert und zur 2. Etappe die gleiche Prozedur zurück.

Da saßen die Fahrer und der Begleittroß auf Klappstühlen und flogen unangeschnallt ihrem Ziel entgegen. Auf der ersten Etappe wurden 8 Runden zu je 20 Kilometer gefahren. Stephan Duffner befand sich in der 20 köpfigen Verfolgergruppe der 17 Mann Spitze. Duffner konnte den Sprint der Verfolger gewinnen und wurde 18. Am 2. Tag stand Duffner kurz vor dem Aus. Plötzlich hatte er den Kurbelarm am Schuh hängen und konnte nicht weiter fahren. Nach kurzem Reparturaufenthalt ging es gerade mal 500 Meter weiter, als das gleiche Malheur sein Arbeitsgerät nicht mehr fahrbar machte. Lange Zeit wartete er auf Hilfe, die nicht zustande kam und der Besenwagen wollte ihn mitnehmen. Nach längerer Diskussion kam ein Teamwagen des tunesischen Nationalteams  und lieh ihm ein Rad, das allerdings einen viel zu kleinen Rahmen hatte. Auf diesem Rad fuhr er dann Benzin wie es im Fachjargon heißt, er fuhr mit immenser Geschwindigkeit hinter einem Auto, konnte so das Überschreiten der Karenzzeit verhindern und kam mit 8 Minuten Rückstand auf den Sieger ins Ziel, damit durfte er im Rennen verbleiben. Auf der dritten Etappe standen 160 Kilometer und 1600 Höhenmeter auf dem Programm. Duffner befand sich im Hauptfeld hinter der Spitze von 8 Fahrern. Einige Kilometer vor dem Ziel fuhr er mit einem Iraker aus dem Feld. Sie wurden nicht mehr eingeholt und Duffner konnte den 9. Platz einfahren. Auf der 182 Kilometer langen von Rückenwind und leicht abfallenden Straßen geprägten vierten Etappe wurde das enorme Stundenmittel von über 49 km/h erreicht, das bisher schnellste Rennen, das Duffner je gefahren ist, wurde er hervorragender 5. Tags darauf wurde erneut richtig Tempo gebolzt. Die 130 Kilometer mit 1000 Höhenmeter und einem Durchschnitt von 48 km/h hatten es in sich. Bei der Bergwertung teilte sich das Hauptfeld, Duffner verpaßte den Abgang einer 18 köpfigen Gruppe und gewann am Ende den Sprint der Verfolger. Auf der 6. Etappe über 145 Kilometer und 1000 Höhenmeter kam er mit dem Feld als 30. ins Ziel. Auf der letzten Etappe über 125 Kilometer verabschiedeten sich bereits bei Kilometer 10 eine Gruppe von 15 Fahrern. Dieses Mal hatte Duffner aufgepasst und war mit dabei. Am letzten Berg teilte sich die Gruppe und 7 Fahrer machten Sieg unter sich aus. Duffner erreichte an diesem Tag den 10. Platz und damit seine dritte Tagesplatzierung unter den Topten, was für ihn gleichzeitig die frühzeitige Bestätigung seines Amateur A-Status war. In der Rundfahrt erreichte er den tollen 12. Gesamtrang, ein Ergebnis von dem er nicht mal zu träumen wagte. Zwischendrin gab es für  ihn noch ein Adrenalin förderndes Erlebnis. Er musste feststellen, dass sein Koffer weg war. Keine Klamotten, keine Waschutensilien und auch sein Geldbeutel mit Karten war weg. Die Suche, die Kartensperrungen und das Leihen der wichtigsten Dinge waren ein Riesenaufreger. Am nächsten Morgen glätteten sich die Wogen. Ein Kontrahent hatte versehentlich seinen Koffer mitgenommen und beim Auspacken seinen Fehlgriff bemerkt. Insgesamt war es ein tolles Erlebnis und sportlich ein großer Erfolg, so Duffner, der sich auf seine weiteren Aufgaben freut. Im Mai geht es zu drei Eintagesrennen nach Marokko, es folgt eine Rundfahrt über 10 Tage in Äthiopien, 4 – 5 Bundesligarennen und einige Interstuhlrennen. Wie bewältigt man so ein Pensum, bei einem Fulltimejob. Das geht nur mit eiserner Disziplin und einer Vielzahl von Überstunden, die dann abgebummelt werden können. Ansonsten müsste ich meinen kompletten Jahresurlaub opfern und das will ich nicht, so Duffner. Die ersten Gehversuche in seinem Rennstall bestätigen ihm, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Bleibt zu hoffen, dass die enorme sportliche Entwicklung, die er genommen hat, auch weiterhin Bestand hat. 06.04.2048

Endlos lange Passagen durch die Sahara und Windkante fahren bei starken Wüstenwinden.

 

 Kontrastprogramm für die Fahrer, neben der Sahara auch grüne Landschaften mit Schnee auf den 1500 Meter hohen Bergen.

 

Das Flugzeuginnere der Militärtransportmaschine